Wienerisch

Zum Stöger – Typisch Wienerisch

Wir haben euch vor einiger Zeit gefragt, wovon ihr mehr lesen wollt - ihr habt geantwortet. Passend zur Ganslzeit stocken wir unser "Wiener Sortiment" auf und statten dem Stöger, einem Traditionsbetrieb in der 3ten Generation einen Besuch ab.

Typisch wienerisches Ambiente

Ihr kennt ihn, diesen urtypischen Charme eines Wiener Wirtshaus, Fluch und Segen zugleich. Eher dicht arrangiert gibt es beim Stöger quasi so viele Plätze, wie irgend möglich auf kleinstem Raum. Die sind aber nicht nur zur Deko da – alle Tische sind auch besetzt. Alle? Nicht ganz, ein kleiner Tisch im hinteren Bereich gelegen gibt seinen Widerstand nicht auf, immerhin ist er für uns reserviert. Wir schlängeln uns also vorbei an den durchwegs gut gelaunten Gästen und nehmen auf Anweisung des Wiener Kellners 2.0 (trockener Servicecharakter, aber nicht urtypisch herablassend) Platz. Aber nicht, ohne uns die Kniescheiben am Tischbein zu zertrümmern. Herrlich, diese Authentizität. Mit Holzvertafelten Wänden und und karierten Bezügen schafft man es beim Stöger, eine ländlich heimelige Atmosphäre zu schaffen, eine herzerwärmende Interpretation im Kontrast zum kühlen abgefuckten Charme anderer Etablissements.

Überschaubare Auswahl

Die Qual der Wahl hat man beim Stöger nicht. Aber das liegt nicht an der Variation der Speisekarte. Im Gegenteil, neben einem Grundstock an Evergreens gibt es wechselnde Empfehlungen aus der Küche, und da ist das obligatorische Ganslspecial noch nicht mal berücksichtigt. Das heißt, solltet ihr nicht auf Experimente stehen, werdet ihr schnell fündig. Und solltet ihr mal keine Lust auf die Klassiker haben, müsst ihr nicht herumblättern. Wir für unseren Teil sind diesmal eher klassisch eingestimmt, weshalb neben der Ganslbrust mit Rotkraut und Erdäpfel- sowie Semmelknödel auch der Zwiebelrostbraten und das Schweinsschnitzl den Weg zu unserem Tisch finden.

Wiener Schnitzel mit Extrawurst

Ein guter Maßstab für die Bewertung einer Wiener Küche ist die Schmerzgrenze bei Extrawürsten bei der Bestellung von Wiener Schnitzel. Traditionell wird beim korrekter Weise Schweinsschnitzel nach Wiener Art zubereitet nämlich jede Menge davon zitiert. In der Panade stecken so viele Kohlenhydrate, Beilagen sind da eher sekundär und werden auf die Existenz einer Schüssel gemischten Salats „reduziert“. Nicht so mit uns bzw. ausführender Madame. Dem Wunsch nach Petersilerdäpfeln an Stelle des Salats wird anstandslos entgegen gekommen. Nicht mal mit der Augenbraue gezuckt. Auch unserer verspäteten Einsicht, Preiselbeeren wären auch noch gut dazu, wird prompt Rechnung getragen.

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Die Ausführung des Schnitzels selbst ist grundsolide und dezent überdurchschnittlich. Die Menge passt zum Preis, das Fleisch ist höherwertig und nicht zäh von Fett durchzogen, gut geklopft und schön gleichmäßig herausgebacken. Die Panade haftet gut am Fleisch Auf der anderen Seite wurde auf die hohe Kunst des Soufflierens in der Pfanne verzichtet, so dass die Panade am Fleisch haftet, was man dadurch erkennt, dass sie beim Schneiden nicht zerfetzt wird. Das hat wenigstens den Vorteil das Protein sowie Kohlenhydrate in konstant gleichmäßigem Verhältnis den Weg in den Magen finden, lässt aber wertvolle Punkte liegen. Ein weiteres Manko ist der offensichtliche Verzicht, auf das Herausbacken in Schmalz, das hätte uns ebenfalls besser gefallen.

Zwiebelrostbraten mit Senf

Beim Zwiebelrostbraten haben wir uns dafür mit Sonderwünschen zurück gehalten, das hat die Küche im Stöger aber nicht davon abgehalten, ihren „Senf“ dazuzugeben. Hehe. Ansonsten versteckt sich ein ausreichend großes Minutensteak vom Beiried unter einem unanständig großen Haufen gerösteten Zwiebels (we like), flankiert von einer nicht so unanständigen Menge Braterdäpfel (meh) in einem Mehr von Sauce (yeah Baby!). Ok zugegeben, die Menge der Beilage ist für sich schon ok, aber ihr kennt uns. Mehr ist immer besser.

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Geschmacklich agiert auch der Zwiebelrostbraten überdurchschnittlich. In der Zubereitung gebraten verhält es sich im Biss nicht die Spur von zäh, also quasi diametral entgegengesetzt zu Verhandlungen mit der besseren Hälfte zu der Frage, wieso ein drittes Motorrad unerlässlich für den gemeinsamen Haushalt ist. Dafür entpuppen sich die Zwiebel leider nicht so knusprig, wie sie den Anschein erwecken. Wir können nicht einschätzen, ob hausgemacht oder ein Convenience Produkt, aber zumindest in großer Menge vorab zu lange dem Dampf der Küche ausgesetzt. Und auch wenn die Portionsmenge der Braterdäpfel für den Kalorienhaushalt sicher ausreichend sind, so sind sie doch zu wenig, um das Meer an Sauce trocken zu legen.

Martini Gansl mit Rotkraut und Knödl

Das Knusprig gebratene Gansl bekommt man im Stöger wahlweise mit Erdäpfel oder Semmelknödel auf einem Saftspiegel zusammen mit einer Apfelrotkraut Mischung serviert. Die Portion vom Gansl ist anständig, nur beim Anblick vom Saft überkommen uns leichte Zweifel, ob die bei der Menge an Knödel ausreichen werden. Normalerweise bekommt man zwei, wir haben uns zu Testzwecken zusätzlich noch einen Semmelknödel dazu gewünscht.

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Die guten Nachrichten zuerst: Menge und Zubereitung der Gans sind erstklassig. Die Haut schön knusprig und das Fleisch nicht zuuu trocken und in Summe so gut, dass uns eigentlich nichts einfällt was wir daran kritisieren können. Auch die Rotkraut Mischung gefällt uns standesgemäßen Gemüseverweigerern sehr gut, denn neben dem fruchtigen Apfel Aroma wird auch eine wunderbare Note Zimt, womit sich passend zur Jahreszeit ein Hauch von Vorweihnachtlichkeit einstellt. Also die sympatische Variante, nicht der unerträgliche Kommerz, der uns seit Ende August im Supermarkt begegnet.

Auf der anderen Seite haben sich unsere Befürchtungen beim Saft bewahrheitet, wir waren noch nicht mal beim zweiten Knödel angelangt und schon war er nur noch in Spurenelementen vorhanden. Etwas mehr würde dem Ganzen also durchaus gut tun. Apropos Knödel, hier wurden wir ein kleines bisschen enttäuscht. Während der Semmelknödel noch verhältnismäßig gut, aber unspektakulär war, so waren die Erdäpfelknödel nicht so luftig/flaumig wie man es sich vorstellt, sondern eher patzig. In etwa so patzig wie eure Freundin auf verdienten Tadel reagiert, wenn ihr sie darauf hinweist, dass sie eure Hemden falsch zusammengefaltet hat. Also ein klitzekleines bisschen.

Bewertung Zum Stöger

  • Erreichbarkeit - 8/10
    8/10
  • Ambiente - 9/10
    9/10
  • Angebotsvielfalt - 8/10
    8/10
  • Freundlichkeit - 8/10
    8/10
  • Schnelligkeit - 7/10
    7/10
  • Kompetenz - 8/10
    8/10
  • Menge - 7/10
    7/10
  • Zubereitung - 8/10
    8/10
  • Geschmack - 8/10
    8/10
  • Preisleistung - 8/10
    8/10
  • Sexiness - 5/10
    5/10
  • Hundefreundlichkeit - 6/10
    6/10

Fazit

Im "Zum Stöger" gibt es gute traditionelle Wiener Küche und das über Generationen hinweg. Diese Kontinuität kommt nicht von ungefähr und verhilft dem Restaurant zu konstant guten Besuchszahlen. Wenngleich nicht alles perfekt zubereitet ist, wirft das keinen Schatten auf den Gesamteindruck sondern unterstreicht ihre Menschlichkeit. Die Preise sind in Ordnung und die Mengen anständig, insofern positioniert man sich passend in der Mitte des Spektrums und distanziert sich gekonnt von Edelwienern, bei denen die Ausführung sicher makelloser ist, das Zuviel an Salz dann aber zweifellos in der Preisleistung endet. Soll heißen, man is(s)t hier sehr gut in dem, was man tut, wobei man zugegeben auch nicht der Beste dabei ist. Also nichts, was sich bei einem neuerlichen Besuch nicht als bedeutungslose Momentaufnahme bewahrheiten könnte oder von heute auf morgen verbessern ließe.

7.5/10

Restaurant Eckdaten

Adresse:
Ramperstorffergasse 63
1050 Wien

ÖFFNUNGSZEITEN
Di. – Sa. 11:00 bis 24:00 Uhr

November und Dezember
Montag von 17:00 bis 24:00 Uhr geöffnet

Kontakt:
Tel.: +43-1-544 75 96
Mail: office@zumstoeger.at
Web: www.zumstoeger.at
Facebook: www.facebook.com/pages/Zum-St%C3%B6ger-im-5ten/168442696551936

2 Kommentare

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  • Sorry, aber „Panade haftet gut am Fleisch“ als positiv darzustellen geht gar nicht. Das deutet auf Friteuse hin und so schaut’s auch aus. Beim einem guten Schnitzel sollte sich durch das Schwenken in der Pfanne die Panade lösen (man nennt es soufflieren)! Das Bild wirkt nach „vom Tiefkühler in sie Friteuse“.

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