Burger Steak

Melrose – keine billige Soap Opera

Ein neuer Player hat das Spielfeld im Kampf um das beste Steak der Stadt betreten. In einer aufwändig und sehr stylisch renovierten Location lockt das Melrose mit "kalifornischer Küche" und ist das zweite uns bekannte Lokal, dass Wagyu im Angebot hat. Grund genug für uns, für einen ersten Eindruck vorbei zu schauen.

Dauerhaft geschlossen

Diesmal kein Wagyu

Wer das Melrose betritt, fühlt sich irgendwie sofort an zu Hause erinnert. Jedoch nicht im negativen Sinne an die Berge nicht gebügelten Wäsche auf dem seit Wochen ignorierten Hometrainer sondern im positivsten Sinne: in dunklen Erdtönen dominierend fühlt man sich in bequem gepolsterten Sesseln und Bänken quasi wie zu Hause im Wohnzimmer auf der Couch vor dem Entscheidungsspiel vor dem Einzug in die Champions League (Sorry Salzburg), während die Herzensdame ein dem Anlass entsprechendes Gericht zaubert.

Willkommen im Melrose
Willkommen im Melrose

Zwar bietet das Melrose um läppische 94 EUR ein Filetsteak vom Wagyu an, da ein erstes Mal bekanntlich auch floppen kann, haben wir uns für ein Filet vom Angus und eines vom Omaha entschieden. Hier finden wir, dass man durchaus ähnlich dem Living Stone einen Probierteller für Unerfahrene anbieten könnte.

Als Vorspeise testeten wir ein Beef Tartar und zumindest eine der anwesenden Ladies opferte sich für den angebotenen „Juicy Lucy Burger“.

Gedeck
Gedeck

Während wir auf die Zubereitung unserer Bestellung warteten, wurde uns ein Gedeck serviert, bestehend aus klassischer Butter, eine Art Frischkäse und (sehr interessant und lecker!) einem Karottenaufstrich. Beim dazu gelieferten Gebäck erfuhren wir aber eine unerwartete Überraschung. Die dünn zugeschnittenen Brotscheiben waren unverkennbar von eben jenem Karottenbrot, dass der Normalsterbliche heutzutage beim Billa erstehen kann. Nun wissen wir dank der Werbung, dass beim Billa „ned jede Semmel eini deaf“, aber der Eindruck steht an dieser Stelle diametral entgegengesetzt zum vermutlich angestrebten Image.

Ein etwas anderes Beef Tartar

Gibt es einen Trend zu unorthodoxem Beef Tartar, den wir verschlafen haben? Anders können wir uns nicht erklären, erneut ein so vollkommen aus der Rolle fallendes Beef Tartar zu erleben.

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Ein etwas anderes Beef Tartar

Wir haben hier keineswegs mit Photoshop nachgeholfen. Am Tisch machte die Farbe des Fleischs einen eher gräulichen/grünlichen Eindruck und war neben der Deko mit einem Brioche-Weckerlerlerl (man beachte die Verniedlichung der Verniedlichung der Verniedlichung) ausgestattet. Vorsicht beim Genuss des darauf liegenden (frittierten?) Wachtelei. Als wir versuchten, es mit der Gabel zu teilen, spritzte uns der halbe Dotter entgegen und verteilte sich als „Yolk shot“ auf unserer Kleidung. Not. Manly. At. All!

Das Tartar selbst war geschmacklich dann recht unspektakulär, keine Spur der üblichen Schärfe, tatsächlich hatten wir den Eindruck, dass es überwürzt war.

Zwei Burger für einen

Schon bei der Bestellung war uns mit (wie sollen wir es anders nennen als) „Grinziger Schmäh“ erklärt worden, dass die Burger Buns leider aus waren und man stattdessen die „Snackvariante“ als Slide bestellen kann. Eine Premiere bei der Premiere würden wir sagen, denn sowas haben wir noch nicht erlebt.

Juicy Lucy Burger
Juicy Lucy Burger

Wie man am Foto erkennen kann, versucht der Burger nicht mit extravaganten Zutaten zu glänzen und das ist gut so! Speck, Zwiebel, Käse, Fleisch, Sauce. Salat wird überbewertet. Ein echter Burgervergleich war so zwar nicht möglich, aber das Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen. Gut zu greifen (nicht nur wegen der Größe), das Patty Medium und nicht zu viel Sauce, die dem knusprigen Bacon oder karamellisiertem Zwiebel den Geschmack überdeckt.

Darf ich kosten Schatz? Nur ein Bissen!
Darf ich kosten Schatz? Nur ein Bissen!

Und die Steaks?

Tjo manchmal verfolgt einen aber auch das Pech (wir erinnern uns nur zu gern an den Spaß mit der Serviererin aus dem Chiq Chaq). Während die auffällig nicht dem Klischee eines Highclass-Service entsprechenden Kellner nicht besonders auffällig waren, leistete sich die Küche beim Steak einen kleinen Anfängerfehler.

Angus Filet mit Spinat und Cranberries
Angus Filet mit Spinat und Cranberries

Obwohl das Angus Filet in der Garstufe Medium bestellt wurde, kam es rare. Kein allzu großes Drama, zum einen weil wir es auf der einen Seite problemlos zurückgehen hätten lassen können und zum anderen, weil echte Männer ihre Steaks hin und wieder auch gerne Rare essen. Zum Vergleich ziehen wir aber das gängige Medium als Benchmark heran. Und dann noch unser ewiger Kritikpunkt der Kruste. Zwar hatte das Steak äußerlich eine schöne Struktur, das Fleisch punktet aber ansonsten „nur“ mit seiner Zartheit.

Perfekt rare
Perfekt rare

Der als Beilage probierte Spinat mit Cranberries klingt spannender als er dann tatsächlich geschmeckt hat. Durchaus lecker fügen die Beeren lediglich eine saure Note hinzu. Nicht schlecht aber auch nicht oho. Der Farbkontrast hat aber was.

Auf der anderen Seite zeigt das Melrose beim Omaha, dass es sein Fach durchaus beherrscht. Perfekte Garstufe, perfekter Geschmack. Oh diese wunderbare Fleischqualität. Typischer Kritikpunkt Kruste. Bevor wir es vergessen, die Steaks werden wie im Livingstone auf einem Toast serviert, der den Fleischsaft auffängt, bevor er sich auf dem Teller verteilt und man(n) dann total gustiös mit der Zunge den letzten Rest aufschlecken muss.

Omaha mit Sweet Potatoe Püree und Steak Fries
Omaha mit Sweet Potatoe Püree und Steak Fries

Zwar hatten wir bei der Bestellung durch die Existenz von Süsskartoffelpüree inspiriert nach der Pommes-Variante gefragt, leider wurde unser Wunsch nicht erfüllt. Doch das ist kein Drama, das Püree selbst war wunderbar cremig und im Geschmack von der gewohnt typischen Süße, für die das Knollengewächs sich zunehmend größerer Beliebtheit erfreut.

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Süßkartoffelpüree

Auf der anderen Seite waren wir von den Steak Fries leider nicht so begeistert, was vermutlich daran lag, dass das Öl in dem sie fritiert wurden wohl schon einen Wechsel vertragen hätte können.

Steak Fries
Steak Fries

Bunt wie ein Hund

Die Rede ist nicht von Charlotte, offensichtlich ist es auffällig, wenn man mit er Spiegelreflex und Blitz das servierte Essen nach allen Regeln der Kunst ausgiebig  digitalisiert. Zumindest bekamen wir auch diesmal wieder Besuch vom Chef mit der Bitte um unmittelbares Feedback. Als Entschuldigung für das misslungene Angus-Filet wurden wir auf ein Glas Champagner eingeladen, eine Geste über die sich vor allem unsere Begleitdamen gefreut haben. Da wir die Garstufe zwar als Makel angemerkt aber nicht großartig reklamiert haben, werten wir das als Bekenntnis zur angestrebten Qualität und möchten es deshalb lobend erwähnen.

 

Bewertung Melrose

  • Erreichbarkeit - 7/10
    7/10
  • Ambiente - 10/10
    10/10
  • Angebotsvielfalt - 9/10
    9/10
  • Freundlichkeit - 8/10
    8/10
  • Schnelligkeit - 8/10
    8/10
  • Kompetenz - 8/10
    8/10
  • Menge - 8/10
    8/10
  • Zubereitung - 8/10
    8/10
  • Geschmack - 7/10
    7/10
  • Preisleistung - 7/10
    7/10
  • Sexiness - 5/10
    5/10
  • Hundefreundlichkeit - 5/10
    5/10

Fazit

Erste Eindrücke können täuschen. Doch wenn wir über die vielen kleinen Mängel bei unserem Besuch hinwegsehen bleibt nicht mehr viel, dass wir bewerten können. Das Ambiente ist jedenfalls fantastisch lädt zum längeren Verweilen ein. Wen es doch nicht hält, der kann in der unmittelbaren Nachbarschaft den unzähligen Heurigen fröhnen.

Das Service ist sehr bemüht, folgt aber nicht der gewohnten Etikette. Erklärungen erfolgen lässig lapidar mit "Grinziger Schmäh" auf den wir gut reagieren können. Beim Beef Tartar empfehlen wir zuerst die Pflicht (leckeres, scharfes Tartar mit anständig Gebäckbeilage) und dann die Kür (in Form von wild um sich spritzenden Wachteleiern).

Mit der Slider-Variante bietet das Melrose eine super Alternative zum klassischen Burger auch wenn wir lieber die große Variante verkostet hätten. Geschmacklich war er jedenfalls in Ordnung. Auch bei den Steaks leistet sich das Melrose keine irreparablen Schwächen, denn solange der Garpunkt zu niedrig ist, kann man ja nochmal nachbessern. Diverse Einflüsse vom Livingstone (wir haben mal irgendwo gehört der hiesige Chef ist das ehemalige Livingstone Mastermind) sind jedenfalls offensichtlich, wenn man sich hier matchen möchte, empfehlen wir umbedingt einen Wagyu Probierteller und als Geheimwaffe Sweet Potatoe Fries im Angebot.

Insgesamt ist das Melrose schon alleine wegen dem gelungenen Ambiente einen Besuch wert, sobald das Restaurant sich im Service, der Qualität der Zutaten und der Zubereitung eingespielt und etabliert hat, haben wir hier das Potential auf einen Hotspot.

7.5/10
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Edit: Das Lokal hat mittlerweile geschlossen!

Restaurant Eckdaten

Adresse: Grinzinger Straße 1, 1190 Wien

Öffnungszeiten: Durchgängig 18:00 Uhr – 01:00 Uhr (Küchenannahmeschluss 22:00 Uhr)

Tel.: +43 1 328 20 20
Mail: reservierung@melrose-vienna.at
Website: www.melrose-vienna.at
Facebook: www.facebook.com/Melrosevienna

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