Steak Wienerisch

Lugeck – ein Stück Wiener Wirtshauskultur

Das Steak wird scharf angebraten
Wir haben nicht schlecht gestaunt, als wir am 22. Jänner trotz unserer noch sehr kurzen Onlinepräsenz ein Mail in unserem Postfach gefunden haben, in dem wir dazu eingeladen wurden "ein Stück Wiener Wirtshauskultur" zu gestalten. Entgegen der spontanen Assoziation eines unsympathischen Kellners in einem verrauchten Lokal mit der abwechslungsreichen Speisekarte: Schnitzerl oder Tafelspitz verspricht das Lugeck - Kind aus der Schmiede Figlmüller - eine urbane Atmosphäre, in der man nicht ausschließlich mit urtypischen Klassikern der österreichischen Küche verwöhnt wird. Wir sind der Einladung dann einen Monat später zusammen mit einigen Kollegen von anderen Blogs gefolgt, immerhin bekommt man nicht jeden Tag die Chance, einen Blick hinter die Kulissen eines Restaurants zu werfen.

Am Tag des Herrn

Wir haben die Mailbestätigung sicher 100 mal gelesen, denn wir wollten es nicht so recht glauben. 10 Uhr? An einem Sonntag ? Nachdem wir uns eingehend vergewissert hatten, dass es sich bei dieser gottlosen Uhrzeit nicht um ein Versehen gehandelt hat (es war kein Versehen) haben wir uns aus dem Bett gekämpft und auf den Weg gemacht.

Das Lugeck ist auf Grund der Innenstadtlage relativ gut erreichbar. Schlecht sieht es dagegen aus, wenn man so dekadent wie wir mit dem Auto anreist. Doch zum Glück für uns ist so früh kaum jemand an einem Sonntag in der Innenstadt unterwegs und die Kurzparkzone gilt am Sonntag (noch) nicht.

Im Lugeck
Im Lugeck

Schon von außen bemüht sich das Lokal um einen guten Eindruck. Große Fenster und einladende Räume versprechen Wiener Wirtshausflair ohne Wiener Wirtshausgeruch. Als wir das Lokal betreten, werden wir von der Marketingleitung herzlich willkommen geheißen. Unnötig zu erwähnen, dass netten Worten eine unbezahlbare Geste in Form eines Kaffees folgten, während wir auf Kollegen aus der Blogger-Szene warteten. Nachdem uns genügend Gelegenheit eingeräumt wurde, uns mit den Masterminds hinter Vienna-Insider, BakeEatLove, Viennaeats und Simply4Friends auszutauschen, begann der offizielle Teil der Veranstaltung.

Jeder Blogger erhielt sein eigenes Welcome-Package
Jeder Blogger erhielt sein eigenes Welcome-Package

Schau, eine Schauküche

Für den Fokus unseres Blogs nicht unbedingt relevant aber dennoch überaus interessant war der Einblick in die gemessen an der Größe des Lokals recht kleinen aber feinen Küche des Lugeck. Hier durften wir zusammen mit den anderen Bloggern dem Küchenteam im Weg rumstehen, während uns Schritt für Schritt die Zubereitung der heutigen Vor- (Saibling Tartar mit Advocado und Krenmayonaise) sowie Nachspeise (Milchrahmstrudel mit Vanillesauce) gezeigt wurde. Wir hatten ebenfalls die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen – eine Gelegenheit, die wir (selbst ist der Mann) zum Wohle aller dankend ausgeschlagen haben. Viel spannender war es hier für uns, einen Blick in die Fleischlade und den unmittelbar gegenüber liegenden Lavastein-Grill zu werfen, der nach unserer ehrlich objektiven Meinung in keinem Küchenhaushalt fehlen sollte (Hallo Ikea!).

Handmade Milchrahmstrudel
Handmade Milchrahmstrudel
Steeeeeaaak!
Steeeeeaaak!
Saibling Tartar mit Advocados
Saibling Tartar mit Advocados
Letzte Schritte vor der Fertigstellung
Milchrahmstrudel kurz vor der Fertigstellung

Beef vs. Saibling Tartar

Falls ihr gerade fastet oder auf der Suche nach spannenden neuen Geschmackserlebnissen seid, dann gehört das Saibling Tartar auf eure ToDo-Liste. Dabei ist gar nicht so sehr das Tartar das Highlight als vielmehr die selbstgemachte Advocadocreme samt selbstgemachter Krenmayo. Dazu gibts das Hausbrot, welches frisch aufgeschnitten sehr zu empfehlen ist.

Saibling Tartar mit Advocado und Krenmayonaise
Saibling Tartar mit Advocado und Krenmayonaise

Aber auch das klassisch gewürzte Beef Tartar muss sich geschmacklich nicht verstecken. Aufpassen muss man lediglich bei der Menge, die Größenangaben im Lugeck sind hier nämlich weniger österreichisch als italienisch. Soll heißen, hinter „klein“ steckt die utopische Größe „Size Zero“. Anders als beim fischigen Kontrahenten bekommt ihr hier allerdings nicht Hausbrot sondern Toast.

(Klitze-)Kleines Beef Tartar
(Klitze-)Kleines Beef Tartar

Steak in der Wiener Wirtshauskultur

Wer sich am Schnitzel und Blowjob Tag das berühmte Figlmüller Schnitzel im Lugeck abholen möchte, ist hier wahrscheinlich an der falschen Adresse. Zwar findet befindet sich das panierte Stück Fleisch, urtypisch vom Kalb mit Erdapfel-Vogerlsalat um saftige 19,50 EUR auf der Karte, ist aber definitiv nicht die Hauptattraktion. Auf der Suche nach einem passenden Gericht in der Karte blieben wir dann bei einem alten Bekannten hängen.

Nun ist es so, dass Steak in einem Wirtshaus zu essen in vielen Punkten mit einem Tofu-Burger zu vergleichen ist. Man kann es zwar machen, ist dann halt ekelhaft. Nachdem wir uns jedoch im Vorfeld vom professionellen Equipment und der Qualifikation des Teams bei einem Plausch in der Küche überzeugen konnten, haben wir uns todesmutig für eine 400g Hochrippe im Wert von 33 EUR und das 250g Filetsteak mit Rosmarinerdäpfel im Wert von 28,90 EUR entschieden – mit der besonderen Ausnahme, dass wir der Zubereitung beiwohnen durften.

Das Steak wird scharf angebraten
Das Steak wird scharf angebraten
Und am Lavasteingrill veredelt
Und am Lavasteingrill veredelt

In der Stunde der Wahrheit bewies das Lugeck, dass es auch in einer traditionellen, österreichischen Wirtshausküche möglich ist,  Steak auf sehr hohem Niveau zuzubereiten. Traurig für so manch anderes hochoffizielle Steakhaus… mit dieser kurzen Gasteinlage katalputiert sich das Lugeck mit zwei Anmerkungen als Geheimtipp in unsere Highscoreliste. Erstens ist das Filetsteak der Hochrippe (Klasse statt Masse) vorzuziehen. Und zweitens eröffnet sich das Verbesserungspotential im Lugeck über die Herkunft seiner Zutaten. Wir respektieren und honorieren die entschiedene Konsequenz der Verwendung ausschließlich regionaler Zutaten. Die Geschichte hat uns jedoch schon ein paar mal gezeigt, dass nicht alles, was aus Österreich kommt, gut ist. So bestätigt sich auch dieses Mal unsere Einschätzung, dass Steaks der Sorte Angus, Omaha oder (just classic) Kobe bzw.  Wagyu den  typisch österreichischen Rindersorten vorzuziehen sind.

Filetsteak am Brett
Filetsteak am Brett
Hochrippe
Hochrippe
Perfekt nach Wunsch zubereitet
Perfekt nach Wunsch zubereitet

Ausnahmsweise was Süßes

Aufmerksamen Lesern wird es schon aufgefallen sein, normalerweise finden in unseren Rezessionen die Desserts nur wenig Erwähnung, denn das ist was für Mädchen (wir müssten die Worte süß und fluffig viel zu oft verwenden). Genausogut könnten wir unsere Meinung zu gerade angesagten Schmuckstücken publizieren, aber die Welt ist nicht schwarz und weiß. Immerhin gelten auch Autos und Motorräder heutzutage als Schmuckstücke, weshalb wir an dieser Stelle zwei Desserts im Lugeck erwähnen möchten. Zum einen betrifft das den vor unseren Augen zubereiteten Milchrahmstrudel in Vanillesauce und zum anderen den Zimtschnecken-Scheiterhaufen mit Vanilleeis und Baisertopping. Sagen wir es mal so: angenommen, rein hypothetisch, falls wir es nötig hätten. In unserer regelmäßigen Hingabe zu… vielleicht nicht ganz so figurbetonenden, kulinarischen Köstlichkeiten. Würden wir uns dazu entscheiden, hin und wieder, aaaauuusnahmsweise… eine wirklich, wirklich, klitzekleine, zweiwöchige Diät einzulegen. Mindestens einer von uns wäre hier schwach geworden.

Eine süße Versuchung...
Eine süße Versuchung…
... bei der auch Männer schwach werden.
… bei der auch Männer schwach werden.

Charlotte im Glück
Charlotte im Glück

Bewertung Lugeck Figlmüller

Disclaimer: Da wir der Einladung einer PR-Veranstaltung für Blogger gefolgt sind und der Besuch somit außerhalb einer normalen Bewirtung erfolgt ist, vergeben wir zunächst keine Punkte im Bereich Servicequalität, holen das aber nach, sobald wir privat das nächste mal im Lugeck waren (irgendwann enden auch hypothetische Diäten und dann muss der Zimtschnecken-Scheiterhaufen dran glauben).

  • Erreichbarkeit - 7/10
    7/10
  • Ambiente - 8/10
    8/10
  • Angebotsvielfalt - 8/10
    8/10
  • Menge - 8/10
    8/10
  • Zubereitung - 9/10
    9/10
  • Geschmack - 8/10
    8/10
  • Preisleistung - 8/10
    8/10
  • Sexiness - 5/10
    5/10
  • Hundefreundlichkeit - 10/10
    10/10

Fazit

Das Lugeck empfiehlt sich mit seiner traditionellen Küche und positioniert sich mit der überraschend guten Qualität der Zubereitung seiner Steaks als Geheimtipp in unserem Repertoire an rezensierten Lokalen. Kritisch anzumerken bleibt im Vergleich zu anderen Steakhäusern, dass im Preis der Steaks keine Beilagen inkludiert sind, was allerdings dadurch ausgeglichen wird, dass man um knapp 25 EUR bereits 250g bekommt, eine Summe, um die man sich anderswo mit der Ladycut Variante zufrieden geben muss. Die wahre Stärke des Lugeck liegt jedoch sicherlich in hervorragenden Auswahl an österreichischen Klassikern, auf die man in der multikulturellen Vielfalt in Wien nicht vergessen sollte. Wer auch damit nicht zufrieden ist soll sich typisch wienerisch raunzend in eine Ecke setzen und sich wahlweise den Milchrahmstrudel oder Zimtschnecken-Scheiterhaufen bestellen.

Das Lugeck bekommt von uns außerdem einen Extrapunkt für Hundefreundlichkeit, da proaktiv eine Schüssel Wasser angeboten wurde. Und... sei es auch der besonderen Situation geschuldet, auf unseren Hinweis, dass Charlotte ebenfalls Steakgourmet ist, bekam sie ebenfalls eine kleine Portion serviert.

7.9/10
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Restaurant-Eckdaten:

Adresse: Lugeck 4, 1010 Wien

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 11:30 bis 24 Uhr (Warme Küche bis 23 Uhr)

Kontakt: info@lugeck.com 
Telefon: +43 1 512 50 60
Website: www.lugeck.com
Facebook: www.facebook.com/lugeck

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