Burger Steak

Livingstone – Was Steak und Sex gemeinsam haben

Für viele war es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns endlich mit dem einzigen (uns bis dato bekannten) Steak-Restaurant in Wien auseinandersetzen, dass auch Wagyu im Programm hat. Das Livingstone lockt aber auch mit einer ansonsten sehr edel komponierten Auswahl an Gerichten, die in ihrer Zubreitung im Vergleich zu Konkurrenten auf ihrem Gebiet entweder als unorthodox oder extravagant bewertet werden können.

Angus, Omaha und Wagyu

Was haben wir nur mit diesem Wagyu. Wir wären nicht wir, wenn wir an dieser Stelle nicht einen unpassenden Vergleich aus der Kategorie der „horizontalen Akrobatik“ aus dem Hut ziehen würden. Here we go: Ständig hört man andere davon schwärmen, wie toll es doch sei. Aber erst, wenn man es selbst probiert, kann man die Freude des Erlebten  nachvollziehen. Vorausgesetzt man erwischt den richtigen Partner – in diesem Fall muss sich das Livingstone dieser Prüfung stellen.

Speisekarte
Livingstone – Speisekarte

Für das erste Mal mit einem Wagyu bietet das Livingstone eine erfrischende Alternative zu anderen Steakhäusern mit mehreren Fleischsorten bei der Auswahl an: einen „Probierteller“ bzw. ein Steaktasting Deluxe, bei dem man drei 100g Filets zum Vergleich bekommt. Im direkten Vergleich erfährt man so den Geschmack der Sorte Angus, Omaha und eben Wagyu. Zum läppischen Sonderpreis von „nur“ 78 EUR. Es versteht sich von selbst, dass in diesem supergünstigen Sonderpreis keine Beilagen enthalten sind. Wir haben uns diesbezüglich für die Steakfries, gegrillten Spargel sowie die Fisolen mit Speck entschieden.

Speisekarte
Livingstone – Steak-Tasting

Aber keine Sorge, alle Sorten gibt es auch als einzelne Filets in unterschiedlichen Größen. Da wir keinen so unfairen Vergleich wie im Shiki ziehen wollen, haben wir deshalb zusätzlich ein Filet 260g vom Angus, medium to rare geordert und für einen weiteren Eintrag in unserem Burgerranking sowohl den BBQ-Steak-Burger als auch den klassischen Livingstone Burger.

Speisekarte
Livingstone – Burger

Um das Verkostungsergebnis nicht total ausgehungert zu verfälschen haben wir uns außerdem geopfert und uns an die kalte Erdäpfelsuppe sowie das Beef-Tartar (vom Angus, nicht vom Wagyu, wir haben ja nicht im Lotto gewonnen) gewagt.

Das Vorspiel

Das erste Mal hält immer einige Überraschungen bereit. Toll, wenn sie positiv sind. Für diejenigen, die dem Livingstone mit seiner direkt angrenzenden Cocktailbar „Planters“ noch keinen Besuch abgestattet haben, möchten wir ein paar kurze Worte zum Ambiente widmen. Während man bei Schlechtwetter oder im Winter nur drinnen in einer gediegenen, eher dünkleren aber gemütlichen, von Holz dominierten Einrichtung umgeben ist, hat man im Sommer an schönen Tagen die Möglichkeit, draußen im Schanigarten bei modern, entfernt karibisch anmutenden Mobilar den Abend perfekt ausklingen zu lassen.

Livingstone im Freien
Livingstone – Schanigarten
Livingstone - im Inneren
Livingstone – im Lokal

Ein Blick in die Karte lässt vermuten, hier geht es gehobener zur Sache und das bemerkt man gleich beim unaufgeforderten Service von frischem Brot/Gebäck samt gesalzenem Frischkäse, Butter oder Oliven-Öl als Snack vor der Vorspeise.

Livingstone - Brot als Snack
Livingstone – Brot als Snack
Livingstone - Butter, Frischkäse und Öl
Livingstone – Butter, Frischkäse und Öl

Womit wir diesmal aber nicht gerechnet hatten war der aktuelle Gruß aus der Küche: Pastrami Sorbet. Wer an Gott glaubt, könnte sich hier bestätigt fühlen. Das muss man sich (wortwörtlich) auf der Zunge zergehen lassen: Eis mit Fleischgeschmack. Kann es eine bessere Sorte geben? Ok vielleicht mit Speckgeschmack. Dennoch… Pikantes Eis – einfach göttlich! Absolute Empfehlung unsererseits. In der Waffel versteckt finden sich zudem frische Gurkenstäbchen und fügen so eine frische Komponente hinzu.

Livingstone - Pastrami Sorbet
Livingstone – Pastrami Sorbet
Livingstone - Pastrami Sorbet
Livingstone – Pastrami Sorbet
Livingstone - Pastrami Sorbet
Livingstone – Pastrami Sorbet

Im Gegensatz dazu, wirkte die kalte Erdäpfelsuppe dann fast schon unspektakulär, obwohl sie in dieser Ausführung in nicht vielen Steakrestaurants zu finden sein dürfte. Geschmacklich hatten wir aber nichts zu meckern.

Livingstone - Kalte Erdäpfelsuppe
Livingstone – Kalte Erdäpfelsuppe

Beim Anblick des Tartar mussten wir kurz stutzen. Diese Ausführung kannten wir bisher nur bei den Fischvarianten – das Fleisch war nicht faschiert sondern in kleine Stücke geschnitten. Vermutlich eine Homage an die Qualität des Fleischs, für uns aber eher unüblich. Gekrönt mit Eigelb thront dieses wirklich ansprechend servierte Gericht auf einem Podest aus einer Art Erbsenpüree und ist dekoriert mit ein paar Tupfern scharfer BBQ-ähnlicher Sauce. Geschmacklich nicht ganz unser Ding aber in seiner Zubereitung dennoch sehr gut.

Livingstone - Beef Tartar
Livingstone – Beef Tartar

Den Höhepunkt hinauszögern

Jaja, der Coitusvergleich wird uns noch eine Weile verfolgen. Aber hey, immerhin verkneifen wir uns zur Abwechslung die schlechten Frauenwitze. Aber zurück zum Aufhänger, in unserer Sexmetapher wäre es doch schade, wenn wir zu schnell zum Ende kämen. Das passt insofern, als „warten lassen“ gerade voll hip(ster) ist bzw. im Trend liegen dürfte. Anders können wir es uns nicht erklären, dass obwohl das Lokal nicht gerade brechend voll war, wir knapp 60 Minuten auf die Erfüllung unserer Träume warten durften. Aber auch hier passt der Vergleich wie die Faust aufs Auge, gerade als wir der Meinung waren, es nicht länger auszuhalten und das erste Mal nach unserer Bestellung fragten, wurden wir erlöst und der Höhepunkt des Abends eingeläutet.

Livingstone - Steak-Tasting Deluxe
Filets vom Angus, Omaha und Wagyu

Es gibt da so eine Faustregel bei Restaurants. Je mehr Mühe sich die Küche mit dem Anrichten und der Deko macht, desto mehr wollen sie einen Mangel kaschieren (Schelm wer an das Tartar von eben denkt). Bester Beleg sind Haubenlokale. Sündteuer, aber man bekommt die Menge eines Fingerhutes. Immerhin die Qualität passt und toll ausschauen tut es, alter Schwede hui hui… Im völligen Gegensatz dazu präsentiert sich das Steak-Tasting Deluxe. Einzige Deko ist hier die Anhäufung von Salz, Pfeffer und einer Mischung daraus – das hat aber technische Gründe, so erkennt der Kellner und kann erklären, welches Filet von welcher Sorte stammt.

Um den maximalen Geschmackseffekt zu erzielen, empfehlen wir, abwechselnd ein Stück der Filets herunter zu schneiden, beginnend beim Angus über das Omaha und als Krönung das Wagyu – repeat. Während das Angus bereits das wunderbare Aroma des Lavasteingrillens liefert und wunderbar zart und saftig daherkommt, fällt beim Geschmack des Omaha sofort ein signifikanter Qualitätsunterschied auf. Im ersten Vergleich mutet das Angus auf einmal „roher“ bzw. fasriger an. Mit dem ersten Bissen vom Wagyu entzündet sich dann ein geschmackliches Feuerwerk, in dem man eindrucksvoll erfährt, wieviele Welten zwischen einer „normalen“ Rindersorte und dem Wagyu in Punkto Konsistenz und Geschmacksentfaltung liegen. Folgt man unserem Rat und schwenkt danach zurück Angus, wird selbst dem Geschmacksresistentesten der Unterschied deutlich vor Augen geführt. Unnötig zu erwähnen, dass die Garstufe exakt den Vorgaben „medium“ entsprach.

Wagyu-Filet medium
Wagyu-Filet medium

So schön das erste Mal auch sein kann, es gibt dennoch immer Verbesserungspotential, so auch im Livingstone. Aber mit ihrer Schwäche sind sie nicht allein, wie immer ist uns die Kruste ein Dorn im Auge, die könnte für unseren Geschmack etwas knuspriger sein. Aber im Vergleich zu anderen Steakrestaurants steht das Livingstone hier nicht schlechter dar.

Livingstone - so sieht ein normales 260g Angus-Filet aus
Livingstone – so sieht ein normales 260g Angus-Filet aus

Dieses Urteil lässt sich 1:1 auf das 260g Filet vom Angus übertragen. Garstufe perfekt, Kruste verbesserungsfähig, im stattlichen Preis sind keine Beilagen, dafür eine Sauce enthalten (und die braucht man nur als Tunke für die Steak-Fries). Nettes Asset: damit der Fleischsaft nicht verloren geht, wird das Steak auf einem Toast serviert, der den Saft weitgehend aufsaugt.

Und dann waren da noch die Burger

Beide Varianten werden in einem Bun made by „Joseph“ serviert und nehmen damit die erste Hürde. Schön griffig, nicht zu lätschert mit einer leicht süßlichen Note, die sich erst beim Kauen entfaltet. Der Livingstone Burger glänzt hier zusätzlich mit einem knusprigen Stück Bacon, lässt aber leider wertvolle Punkte bei der Garstufe des Patties liegen – wir bekamen ungefragt eine Well Done Variante serviert.

Livingstone Burger
Livingstone Burger

Der BBQ Steakburger auf der anderen Seite taugt als Referenz für die Konkurrenten mit dieser Variante im Angebot. Während man anderswo ein eher zähes Stück Fleisch zwischen die Zähne bekommt, ist das Fleisch in diesem Burger eingelegt in einer rauchigen BBQ Sauce so zart, dass es sich praktisch mit den Lippen trennen lässt. Das ist so nicht gerade typisch, wer gerne mal einen etwas anderen Burger mag, findet hier jedenfalls eine Art Exot in seinem Metier.

BBQ-Steakburger
BBQ-Steakburger

Bewertung Livingstone

  • Erreichbarkeit - 9/10
    9/10
  • Ambiente - 9/10
    9/10
  • Angebotsvielfalt - 10/10
    10/10
  • Freundlichkeit - 9/10
    9/10
  • Schnelligkeit - 5/10
    5/10
  • Kompetenz - 9/10
    9/10
  • Menge - 8/10
    8/10
  • Zubereitung - 10/10
    10/10
  • Geschmack - 10/10
    10/10
  • Preisleistung - 8/10
    8/10
  • Sexiness - 5/10
    5/10

Fazit

Der Geschmack eines Wagyu ist unbezahlbar, von daher ist die Preisleistung hier entsprechend sehr gut. Um nicht zu sagen: mit dem Wagyu findet man zum Status Quo das beste Steak der Stadt im Livingstone. Um diesen Sieg zu relativieren: auf der anderen Seite ist das Angus verglichen mit den gut zubereiteten Steaks aus anderen Restaurants ungewöhnlich teuer. Auch die Burger müssen sich nicht verstecken, das Livingstone liefert hier aber keinen Überraschungshit. Rundherum bietet das Livingstone allerdings eine wunderbar einladende Atmosphäre und man kann den Abend anschließend perfekt in der Cocktailbar ausklingen lassen. Das Livingstone platziert sich so gesehen perfekt als Location für besondere Anlässe. Ihr hattet einen schweren Arbeitstag? Euer Partner oder Partnerin zum ersten Mal ungefragt die Küche aufgeräumt? Ihr habt im Lotto gewonnen? Ab ins Livingstone! Und leistet euch zumindest einmal den Luxus eines Steak-Tastings, ihr werdet es nicht bereuen! Die Bar ist übrigens aufgrund eher gedämmten Lichts perfekt für erste (Tinder) Dates geeignet - falls die Damen bei den Fotos doch etwas nachgeholfen haben sollten (Diesen einen schlechten Frauenwitz konnten wir uns dann doch nicht verkneifen).

Die Parkplatzlage ist trotz Innenstadt übrigens hervorragend, da man zumindest gegen Abend in der Gegend rund um die Börse recht schnell einen Parkplatz findet und die Gegend nicht verseucht istmit Anrainerparkverboten wie jenseits des Bermuda-Dreiecks. Öffentlich sowieso perfekt erreichbar.

8.4/10
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*Wir waren diesmal ohne Charlotte unterwegs, daher entfällt die Wertung.

Restaurant-Eckdaten

Adresse: Zelinkagasse 4, 1010 Wien

Telefon: +43 (0)1 533 33 93 0
Web: www.livingstone.at
E-Mail: livingstone@plantersclub.com
Facebook: www.facebook.com/pages/Livingstone/158983827493034

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