Burger Steak

Flatschers – Nicht Flätschers

Es war nur eine Frage der Zeit, eigentlich schon längst überfällig, bis wir dem Flatschers mal einen Besuch abstatten. Wir geben zu, das Flatschers ist keine unbekannte Größe für uns, inoffiziell waren wir in den vergangenen Jahren schon zahlreiche Male dort. Nun haben wir uns endlich einen Ruck gegeben, die Kamera eingepackt und uns für euch ins Getümmel geworfen.

Better be prepared

Das Flatschers hat seine eigene kleine Erfolgsgeschichte geschrieben. Anfang nur als „American“ Restaurant betrieben gibt es mittlerweile auch das „French“ Bistro. Die Speiseauswahl ist in beiden weitgehend deckungsgleich, glänzt aber jeweils mit amerikanischen bzw. französischen Akzenten. Eines haben beide Lokale jedoch gemeinsam. Sie sind notorisch ausgebucht. Kurzfristige oder spontane Besuche könnt ihr euch abschminken, wie es euer One-Night Stand von letzter Woche hoffentlich nicht getan hat. Plant also besser eine Woche oder mehr voraus. Je mehr ihr seid, desto länger. Wann immer sich euer Wunsch dann erfüllt, ihr habt besser keine Platzangst, denn das Flatschers ist höchstwahrscheinlich rammelvoll.

Zumindest Andreas Flatscher dürfte das mit einem lachenden Auge als ein Markenzeichen seines Restaurants betrachten, immerhin berichtet die Speisekarte in Form einer Zeitung gleich auf der Titelseite ausschweifend von der damit einher gehenden guten Laune. Wir kennen das Flatschers noch nicht lange genug, um zu wissen, dass es die Karte schon einmal in dieser Form gab, persönlich fanden wir die kleinen Büchlein besser, verstehen aber den neuerlichen Wechsel. Der Schwund war vermutlich so hoch wie die Produktionsqualität.

Time goes by

Wie bloß die Zeit vergeht. Nicht nur zwischen unserem ersten Besuch im Flatschers mit einem äußerst positiven Eindruck und heute. Leider diesmal auch zwischen unserer Ankunft und der ersten Aufnahme der Getränkewünsche (ca. 15 min). Wie schon erwähnt, es herrscht selbst zu späterer Stunde noch Höchstbetrieb und das Service ist im Gedränge mitunter schwer auszumachen bzw. diese haben es umgekehrt dann naturgemäß schwerer, in ihrem Abschnitt den Überblick zu behalten. Kann passieren, wir feiern ja nicht unsere Premiere im Flatschers, sobald man sich unserer Runde zuwandte, wurden Wünsche freundlich, schnell und engagiert entgegengenommen.

Für unseren offiziellen Test haben sich die Damen für ein Filet Steak Ladycut und das Ribeye, beide mit Ofenkartoffel und Sour Cream entschieden, während sich die Männer vom Pure Beef Burger (520g Fleisch!) und dem DC Steakhouse Burger (O-Zitat: Männerburger ohne Grünzeug) hinreißen lassen. In nobler Zurückhaltung haben wir uns zur Überbrückung der Wartezeit außerdem  eine „To beef or not to beef“ Vorspeisenvariation gegönnt.

To beef or not to beef

Fleisch ist durch nichts zu ersetzen. Außer durch noch mehr Fleisch. Wir finden das ist ein gutes Konzept. Das Flatschers ebenso und serveriert in diesem Fall neben einem Teller Beef Tartar ein Sashimi vom Rind sowie einen Mini-Caesar-Salad samt gegrillten Rinderfiletstückchen platzsparend auf einem Türmchen angerichtet.

Flatschers "to beef or not to beef" Vorspeisenvariation
Flatschers „to beef or not to beef“ Vorspeisenvariation – Zu Fotozwecken haben wir das Türmchen zerlegt

Nach den obligatorischen Sharing is Caring Revierstreitigkeiten (ich Mann, ich Fleisch. Du Frau, du Grünzeug. Au. Ich Mann, ich nix Couch. Du Frau, du Hälfte von Fleisch) geklärt hatten, widmeten wir uns dann der Verkostung. Das Beef Tartar von sehr guter Qualität und Dank ausreichend Zwiebel und Kapern auch von ausreichender Schärfe, die Filetstückchen am Caesear Salad am Punkt medium mit ausgezeichneter Grillnote. Unser Sieger jedoch das Beef Sashimi, das gebettet auf Rucola Salat in Balsamico sogar die Generösität besaß, eine Fleischnote abzugeben, womit auch der Verzehr des Grünzeugs diesmal ein besonderer Genuß war.

Flatschers Beef Sashimi
Flatschers Beef Sashimi
Flatschers Beef Tartar
Flatschers Beef Tartar

So groß und schon ein Ladycut Filetsteak

Ladies and Gentlemen, wir präsentieren das größte Ladycut Filetsteak der Welt. Spaß beiseite, das Flatschers beweist einen ausgezeichneten Sinn für Fehlerkultur. Während andere Restaurants billig den Garpunkt verpassen, leistet sich das Flatschers die Größe und bringt versehentlich ein Gentlemen Cut. Und beweist hinterher gleich noch mehr Größe, indem trotz unseres Hinweises einfach trotzdem nur das Ladycut boniert wurde. Verdammt. Hätten wir Männer nur das Gentlemen Cut bestellt, so hätten wir die Chance auf ein Hoppala-Centercut gehabt (die 1000g Variante des Filetsteaks). Naja beim nächsten Besuch vielleicht.

Flatschers Filetsteak - Gentlemen Cut
Flatschers Filetsteak – Gentlemen Cut

Optisch präsentiert sich das Filetsteak im Flatschers unter einem Berg von Grünzeug, der wie ein Brautschleier erstmal gelüftet werden will. Ähnlich erfreut ist man(n) in beiden Fällen dann beim Anblick, denn das Steak macht bereits einen wunderschönen Eindruck. Aber überzeugt das Steak auch bei den inneren Werten? Tut es, beim Anschnitt präsentierte sich uns ein wunderbares zartrosa „medium“ perfekt nach Wunsch. Und der Geschmack? Ebenfalls hervorragend und hier überraschte uns das Flatschers. Während wir in der Vergangenheit immer wieder nicht vollständig zufrieden mit dem Ergebnis waren passte diesmal eigentlich alles. Garpunkt perfekt, schöne Obefläche, eine herrliche Grillnote im Geschmack, im Biss schön zart. So soll es bitte auch in Zukunft sein.

Flatschers Filetsteak - Gentlemen Cut perfekt medium
Flatschers Filetsteak – Gentlemen Cut perfekt medium

Lediglich die Ofenkartoffel war nicht so besonders, wir wollen aber nicht überkritisch sein, immerhin ist Beilage und Sauce im Preis mit inbegriffen und von anständiger Portionsgröße. Ganz im Gegenteil zu anderswo.

Rrrr wie Ribeye

Auch die Verfechter der „ein gutes Steak muss auch einen gewissen Fettanteil haben“ Fraktion kommen beim Ribeye im Flatschers auf ihre Kosten. Im selben Stil angerichtet leistet sich das Ribeye nur in der Form leichte Schwächen. Da hatten wir schon weniger „zerflederte“ Ribeyes auf unseren Tellern.

Flatschers - Ribeye
Flatschers – Ribeye

Ansonsten gibt es aber nichts zu meckern. Garpunkt wieder perfekt, diesmal medium-rare, getroffen. Nicht zäh im Geschmack, herrliche Grillnote, mehr als eine Prise Salz benötigt es hier eigentlich nicht. Können wir also ohne schlechtes Gewissen weiter empfehlen.

DC Steakhouse Burger

Der Männerburger ohne Grünzeug also. Wir haben ja schon erwähnt, dass wir das Flatschers nicht zum ersten Mal besuchen. Dennoch sind wir jedesmal aufs Neue überrascht, wie konsequent das Restaurant an der Wahl seines Burgerbuns festhält. Formvollendet sieht anders aus, im Flatschers ist das Burgerbun offensichtlich nur Mittel zum Zweck. Denn ohne Bun wäre die Bezeichnung „Burger“ nur mit dem Zusatz „No Carb“ zulässig.

Flatschers Steakhouse Burger
Flatschers Steakhouse Burger

So flach wie das Bun, so flach auch der Witz, der uns dazu einfällt. Kommt ein Pferd in die Bar, fragt der Barkeeper: „Warum so ein langes Gesicht?“. Letzten Endes zählen aber die inneren Werte. Der DC Steakhouse Burger wird nicht mit einem typischen Patty sondern wie der Name schon anteasert mit Steak Streifen, überbacken mit Käse. Der Garpunkt anständig medium, allerdings im Ergebnis nicht so zart wie wir es in anderen Restaurants schon erlebt haben. Geschmacklich überrascht der Burger ob seiner Zutaten dann auch nicht sonderlich. Puristisch und ohne Grünzeug dominiert geschmacklich vor allem der Käse.

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Flatschers Steakhouse Burger

Flatschers Pure Beef Burger

Neu. Pure Beef. Fleischeslust. 520g Fleisch. Das klingt nach einem Fall für „Manly Man“! Das sich vor uns aufbauende Ungetüm ist definitiv der Bulldozerklasse zuzuordnen. Die Message ist klar, hier geht es ums Fleisch, nicht umsonst wird bei der Zusammensetzung irgendwie untypisch auf Käse und Bacon verzichtet. Da fällt es uns gleich leichter, über das Bun hinwegzusehen.

Flatschers Pure Beef Burger
Flatschers Pure Beef Burger

Im Anschnitt präsentiert sich das Biest dann nicht ganz so selbstverständlich medium-well, wie es in der Karte versprochen wird. Für uns sieht das nämlich eher nach well-done aus. Geschmacklich punktet das Patty dann mit der selben Grillnote, die uns schon bei den Steaks verzaubert hat. Ansonsten ist das Patty, vielleicht nicht zuletzt wegen dem Garpunkt eines der festeren Sorte.

Flatschers Pure Beef Burger
Flatschers Pure Beef Burger

Geschmacklich ist der Burger dann in Ordnung. Die leicht rauchige BBQ Sauce passt sehr gut dazu. Diese Variante des Männerburgers übertreibt es nicht mit dem Grünzeug und der Zwiebel ist knackig frisch.

Insgesamt sind wir mit dem Ergebnis aus folgenden Punkten dennoch nicht zufrieden. Das Burger-Bun zeichnet sich höchstens im Lager aus, so flach lässt es sich prima stapeln und ist damit platzsparend. Das wäre auch noch OK, immerhin verspricht der Name Pure Beef vom Konzept ohnehin einen Fokus auf die inneren Werte. Die Abstinenz von Käse und Bacon nebst dem ansonsten obligatorischen Salat, Zwiebel und Tomaten Topping unterstreicht das nur noch. So soll es auch sein, immerhin haben wir hier die Pure Beef Variante vor uns.  In der Ausführung ist der Burger dann doch nur „pretty Standard“. Streng genommen unterperformt der Burger in Punkto Preisleistung sogar ein wenig.

Hier macht uns der Vergleich schlau. Unterm Strich haben wir hier ein Upgrade des Standard Flatschers Cheese Burgers vor uns. Optisch manifestiert sich das durch die schlichte Existenz von zwei Patties. Blick auf die Karte. Wir verzichten auf Käse für ein zusätzliches Patty. Für läppische 5,60 EUR Aufpreis. Keine Frage, um 19,50 EUR haben wir einen wahren Giganten vor uns. Dennoch haben wir uns hier mehr erwartet.

Bewertung Flatschers

  • Erreichbarkeit - 5/10
    5/10
  • Ambiente - 6/10
    6/10
  • Angebotsvielfalt - 9/10
    9/10
  • Freundlichkeit - 10/10
    10/10
  • Schnelligkeit - 7/10
    7/10
  • Kompetenz - 10/10
    10/10
  • Menge - 9/10
    9/10
  • Zubereitung - 9/10
    9/10
  • Geschmack - 8/10
    8/10
  • Preisleistung - 7/10
    7/10
  • Sexiness - 5/10
    5/10
  • Hundefreundlichkeit - 6/10
    6/10

Fazit

Der großartige Erfolg des Flatschers  und der Publikumsandrang kommen nicht von ungefähr. Hier präsentiert sich ein Restaurant mit hochwertiger Einrichtung , Liebe zum Detail (man betrachte nur die toll gestaltete Karte) und wirklich bemühtem Servicepersonal. In Punkto Hundefreundlichkeit setzt das Flatschers im Höchstbetrieb Prioritäten und widmet sich zuerst dem menschlichen Wohl, verabsäumt es aber nicht, auf Nachfrage eine Schüssel Wasser im passenden Behälter zu bringen, die Kollegen im Service nahmen sich mit zunehmender Stunde und abnehmender Gästedichte auch die Zeit für die eine oder andere Streicheleinheit. Positiv ist uns auch aufgefallen, dass der Chef persönlich von Zeit zu Zeit durchs Lokal streift, um nach dem Rechten zu sehen. Kritisch anzumerken ist aber, dass die hohe Gästezahl dazu führt, dass es ziemlich laut zur Sache geht und die Luft trotz Ventilatoren mitunter stickig und heiß ist und das Ambiente darunter leidet.

Ansonsten zeigt das Flatschers trotz oder gerade wegen seines Erfolgs und seiner Popularität weitere Verschleißzustände. Es hat zugegeben einen Grund, warum wir uns bis dato noch nicht mit dem Flatschers auseinander gesetzt haben. In unseren zahlreichen vorangegangenen Besuchen (der erste war wohl im Sommer 2013) haben wir jedesmal Rückgang in der erlebten Qualität festgestellt. Heute noch trauern wir z.b. um die ehemals im Preis inkludierte Makrone beim Kaffee. Insofern wollten wir es nicht riskieren, das Flatschers nicht in Bestform zu erleben und damit einhergehend eine Note zu vergeben, die für ein Restaurant wie das Flatschers angemessen erscheint. So gesehen trifft sich die diesmal erlebte Qualität ganz gut in der Mitte.

Das Service war gut, wirkte aber stellenweise vom Andrang überfordert. Die Steaks waren von ausgezeichneter Qualität, sowohl im Geschmack als auch der Zubereitung, dennoch nicht das die Besten, die wir je auf dem Teller hatten. Wenn wir uns hier nicht täuschen hat das Flatschers hier zu früher zugelegt, außer die Filets stammen seit jeher aus Urugay. Auch die Burger waren geschmacklich bei aller Kritik keine Katastrophe, sind aber definitiv keine Titelanwärter und bringen Abzüge in der Preisleistung. Blendet man die Burgerauswahl im Flatschers aus, so bleibt dann immer noch ein anständiges Leistungsspektrum. Nicht in die Bewertung geschafft, erfahrungsgemäß von uns aber sehr zu empfehlen sind z.B. die Steak Frites de la maison.

7.6/10
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Restaurant Eckdaten

Adresse
Kaiserstraße 113-115
1070 Wien

Öffnungszeiten
Mo-So 17:00 – 01:00

Kontakt
Tel: +43 1 5234268
Website: www.flatschers.at
Facebook: www.facebook.com/Flatschers
Mail: office@flatschers.at

 

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