Burger Wienerisch

Figls – Oktoberfest Special

O'zapt is. In diesem Sinne haben wir bei unserem Auftritt im Volksgarten erfahren, dass es beim Figls gerade ein feines Special gibt. Wiesn Burger, Stelze, Biersuppe mit Kaspressknödel und Weißwürscht, wohin man schaut. Jetzt ist es zwar nicht unsere Art so schnell einen zweiten Besuch abzustatten, wenn man uns aber so davon vorschwärmt, fühlen wir uns schon fast genötigt, den Wahrheitsgehalt zu prüfen.
Das Figls ist keine Unbekannte in unserer Hitlist. Hier geht es zum Originaltest samt Bewertung.

Zum Original Review

Wie schon Eingangs erwähnt haben wir im Zuge unseres Bookatable-Event Gastvortrags erfahren, dass es im Figls gerade ein Oktoberspecial gibt. Neben den üblichen Verdächtigen (Weißwurst, Brezn und Stelze) klang vor allem der Wiesn Burger danach, als ob er für unsere Leserschaft einen Versuch wert sein könnte. Also haben wir uns auf den beschwerlichen Weg zum Schicksalsberg begeben, um am Fuße den EINEN zu dekonstruieren und Mittelerde zu retten. Verzeihung, falscher Film – haben wir uns zum Figls begeben, um nach beschwerlicher Suche eines Parkplatzes einen der begehrten Tische im Inneren zu ergattern.

Weißbier Zwiebelsuppe mit Kaspressknödel

Kommen wir ohne Umschweife in tolkienschem Ausmaß zum Wesentlichen. Der Name klang einfach zu gut in den Ohren, um die Weißbier Zwiebelsuppe nicht zu probieren. Nach nicht all zu langer Wartezeit fand schließlich eine wunderbar duftende Schüssel den Weg zu uns an den Tisch. Die erste Überraschung entstehend in der Erkenntnis, dass man(n) nicht derjenige welche war, der sich dieses Gustostück aus der Karte angelacht war sondern Frau mal wieder bewiesen hat, dass sie wenn willens doch dazu in der Lage ist, schnell eine gute Auswahl in der zu Grunde liegenden Speisekarte zu treffen.

Figls - Weißbier Zwiebelsuppe mit Kaspressknödel
Figls – Weißbier Zwiebelsuppe mit Kaspressknödel

Im Geschmack bestätigte sich dann, was der olfaktorische Eindruck versprach. Eine wunderbare Würze mit einer ausreichenden Menge Zwiebel, die entsprechende Wissenschaftliche Doppelblindstudien vorausgesetzt den Terminus „abzwiefeln“ unter Umständen neu definieren könnte. Das Highlight verbirgt sich jedoch unter der Oberfläche. Der Kaspressknödel verdient seine Bezeichnung, zu oft wurde uns anderorts unter der selben Bezeichnung ein Knödelchen vorgesetzt, nicht so im Figls. In keinster Weise zäh lässt er sich sehr gut zerteilen und rundet den Gesamteindruck äußerst zufriedenstellend ab.

Was der Bauer kennt, isst er

Für die nicht so experimentierfreudigen Weißwurstantipationisten gibt es eine kleine Themenexkursion in Form des guten alten Wiener Schnitzels. In derart Form, wie es sich gehört, aus zartem Kalbsfleisch. Das Offensichtliche zuerst, im Figls beherrscht man die Kunst des Panierens, wenngleich wir nicht erfahren haben ob schmackhaft im Schmalz herausgebacken. Optisch macht die Wiener Spezialität aus dem Figls jedenfalls eine gute Figur und ist keine Magermodel-Variante mit zuwenig Fleisch auf den Knochen dem Teller.

Figls - Wiener Schnitzel
Figls – Wiener Schnitzel

Nun zum nicht so Offensichtlichen: der Geschmack. Wir können  Entwarnung geben, das Kalbsschnitzl im Figls ist solide und zeigt keine Schwächen. In anderen Worten: lecker, können wir also weiterempfehlen. Einziges Manko ist die Beilage in Form und Menge eines Erdäpfel-Vogerl Salats. Vielleicht sitzt ja ein Kalorienzähler in der Küche und ist der Meinung, die Kohlenhydrate in der Panade sind genug. Wir sind da naturgemäß anderer Meinung.

Eine Wurst, die zu schmecken weiß

Da liegt sie vor uns, in ihrem weißen Kleid, duftig zart mit glatter Haut, dabei prall und gut gebaut. Die Rede ist nicht vom 2-Promille Aufriss im Volksgarten tags zuvor, sondern von der Münchner Weißwurst, wie sie das Figls seinen Gästen serviert. Von der Küche zum Tisch friedlich siedend in Schüssel samt Weißwurstsenf, in unserem Fall gepimpt mit einer „Mörderbrezn“.

Figls - Münchner Weißwurst
Figls – Münchner Weißwurst

Über den Verzehr der Weißwurst ranken sich viele Legenden. Ob gezuzelt oder nicht, das Figls weiß mit Weißwürsten umzugehen und wird vermutlich auch bei euch den Eindruck erwecken, ein Händchen im Einkauf bewiesen zu haben. Lediglich der Weißwurstnazi am anderen Ende des Tisches könnte sich genötigt sehen, mit kritischem Blick und geäfften bayrischem Akzent anzumerken, dass die Weißwurst in München eventuell noch eins drauf setzen könnte.

Auch die Brezn verdient ein Wort des Lobs. Für einen zugegeben stolzen Preis bekommt man eine anständig großes Exemplar, frisch aufgebacken und selbst für Manly Men zum Teilen geeignet.

Ein bisschen kurios, der Wiesn Burger

Freude und Enttäuschung beschreiben sich im Prinzip ja durch die Differenz aus Erwartung und Realität. Nehmen wir also eine objektive Perspektive in der Erwartung des Wiesn Burgers im Figls ein. Schon beim Klassiker hat sich gezeigt, dass man ins Figls nicht unbedingt wegen des Burgers kommt. Warum sollte sich das also ändern? Immerhin verspricht die Zusammensetzung aus gebackenem Brie, Obazda und Bieradi zusammen mit (angeblich) besonders grob faschierten eine Abkehr vom Bekannten.

Figls - Wiesn Burger im Bild ohne Beilage
Figls – Wiesn Burger

Was auf dem Papier geil klingt, relativiert sich dann ein bisschen in der Ausführung. Das Laugenbun ist originell und verdient Erwähnung, genauso wie der kunstvoll zerhobelte Rettich. Im Anschnitt dann die übliche Schwäche. Ein, leider well done gegrilltes, für unseren Geschmack zu kleines Patty. Nicht so grob faschiert, wie es uns erzählt und wie wir es uns vorgestellt haben. Geschmacklich tut der gebackene Brie dann sein übriges. Wer auf eine Geschmacksentfaltung ausgehend vom Patty spekuliert, der irrt sich, denn in diesem Fall ist die cremig flüssige Konsistenz des Brie ist der dominante Faktor.

Figls - Wiesn Burger
Figls – Wiesn Burger

Ist der Wiesn Burger also eine Enttäuschung? Nein, wir finden die Idee cool, in der Ausführung könnte der Burger aber noch etwas Feinschliff vertragen. Auch bei der Größe könnte das Figls noch etwas nachbessern, bei diversen Konkurrenten findet man zum selben Budget größere Exemplare am Teller.

Stelze, mal nicht im Schweizerhaus

Argwöhnisch beschreibt den Blick des Kellners wohl am Besten, als er die Bestellung aufgenommen hat. Eine Bestellung, bei der ein Manly Man Redakteur offenen Auges der Meinung war, der dezente Hinweis in der Speisekarte „für 2 Personen“ handle sich offenbar um einen gegenderten Kunstgriff um Platz auf der Karte zu sparen. Die verlautbarten 1,8kg Kampfgewicht stemmt er doch leicht. Mit einer Hand.

Figls - Stelze
Figls – Stelze

Wir können uns nur wiederholen, bei Wiener Spezialitäten kennt man sich im Figls aus. So findet ein überaus traumhaft aussehendes Exemplar, wie man es sonst vielleicht nur im Schweizerhaus gewohnt ist, den Weg zu unserem Tisch. Im Verzehr positioniert man sich dann diametral entgegengesetzt zur Konkurrenz aus dem Prater. Wer bisher der Meinung war, eine gute Stelze gibt es nur dort, bekommt im Figls zu denken. Denn obwohl sich unser Exemplar in Sachen Kruste nicht ganz mit der (uns gehen langsam die Synonyme aus) Referenz messen kann (ist zwar knusprig aber etwas dünner ausgefallen), so hat uns die Zartheit des Fleisches äußerst positiv überrascht. Selbst wer kein Fan von Stelzen ist kommt nicht umhin zu bewundern, wie butterweich das Fleisch auf der Zunge seinen Geschmack entfaltet.

Aber hat unser Tester es nun geschafft, die Stelze in einem Solo zu bezwingen? Sagen wir es so: Unter dem Vorwand, selbst noch den Topfen-Rahmschmarrn probieren zu wollen fand eine nicht unbeträchtliche Menge den Weg in Charlottes Magen. Aber Ehrenwort, hätte er gewollt, hätte er die Stelze auch aufessen können. Wie lautet hier das passende Schlusswort? Jaja ;)

Fazit

Wem Zeit und Geld fehlt, sich dem Wahnsinn in München hinzugeben und sich aus welchen Gründen auch immer dem Trubel am Wienerwiesnfest entziehen will, der hat im Figls die Chance, in entschärfter Atmosphäre ein paar echte Schmankerl zu probieren.

Zum Original Review

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